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28. 9. 2017

UN-Anerkennung für die professionelle Sprachmittlung

UN-Anerkennung für die professionelle Sprachmittlung1

Am 30. September wird in vielen Ländern der Welt der Internationale Tag des Übersetzens gefeiert. 1993 vom Internationalen Übersetzerverband FIT erstmals proklamiert, wurde der Internationale Tag des Übersetzens am 24. Mai 2017 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution A/71/L.682 zu einem offiziellen UN-Feiertag erklärt. In der Resolution wird die Völker verbindende Rolle von professionellen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern und ihr Beitrag zu Frieden, Verständigung und Entwicklung offiziell anerkannt und die UNESCO-Empfehlung von Nairobi3 aus dem Jahr 1976 entsprechend ergänzt.

Die UN-Resolution hält u. a. fest, dass professionelle Übersetzungs- und Dolmetschleistungen in allen Lebensbereichen unverzichtbar sind, wenn es darum geht, ein positives Klima, Klarheit und Produktivität im internationalen öffentlichen Diskurs und in der zwischenmenschlichen Kommunikation zu ermöglichen. Es wird auch auf die Notwendigkeit einer fundierten Ausbildung für ÜbersetzerInnen, DolmetscherInnen und TerminologInnen hingewiesen, um den durch die zunehmende internationale Zusammenarbeit und Vernetzung steigenden Bedarf an professionellen sprachmittlerischen Leistungen zu decken. Diese werden auch in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Sicherung des Weltfriedens und des Wohlstands der Menschen spielen.

Der Internationale Tag des Übersetzens (ITD) fällt in die Internationale Woche der Gehörlosen (IWD). Es ist zu hoffen, dass die von den Vereinten Nationen aus diesem Anlass angesetzten Veranstaltungen auch die wichtige Rolle der nationalen und regionalen Gebärdensprachen, vor allem bei der Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG), unterstreichen werden.

2017 ist auch in anderer Hinsicht eine wichtige Wegmarke für den Internationalen Übersetzerverband FIT und den Sprachmittlerberuf: Die Europäische Kommission und damit die Europäische Union werden den Internationalen Tag des Übersetzens erstmals gemeinsam mit dem Europäischen Tag der Sprachen (EDL) begehen, nachdem im Vorjahr ein diesbezüglicher Beschluss von der EU-Generaldirektion Übersetzen, der EU-Generaldirektion Dolmetschen und der FIT gefasst wurde.

Das von der FIT ausgegebene Motto für den Internationalen Tag des Übersetzens 2017 lautet „Übersetzen und Vielfalt“. Die österreichischen Verbände der Sprachmittlerberufe feiern den Tag traditionell gemeinsam. 2017 wird das Fest von Universitas Austria ausgerichtet.


1 Übersetzer, Dolmetscher und Terminologen werden im Allgemeinen mit dem Oberbegriff „Sprachmittler“ bezeichnet.
2 http://www.undocs.org/a/71/L.68
3 UNESCO Recommendation on the Legal Protection of Translators and Translations and the Practical Means to Improve the Status of Translators, Nairobi, 1976, http://portal.unesco.org/en/ev.php-URL_ID=13089&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201.html

3. 8. 2017

Martin Pollack und György Buda bei Weltkongress in Brisbane ausgezeichnet

Den klingenden Namen Aurora Borealis trägt ein Preis, der heute dem in unseren Breiten bereits vielfach ausgezeichneten Übersetzer Martin Pollack in Brisbane/Australien verliehen wurde. Die Auszeichnung wurde ihm von der Fédération Internationale des Traducteurs zuerkannt, dem Weltverband von Interessenvertretungen der Übersetzungsberufe. Sie würdigt die Qualität seiner Übersetzungen von großen Autoren der polnischen Literatur, wie etwa Ryszard Kapuściński, Wilhelm Dichter oder Henryk Grynberg. Pollacks Leistung liegt nicht nur in der auf besonderer Sorgfalt und (Er-)findungsgabe beruhenden sprachlichen Präzision seiner Übersetzungen, sondern auch darin, dass ihm der Klang des Originals ein Anliegen ist und es ihm gelingt, die innere Stimme des Textes zu bewahren.

Martin Pollack erinnerte in seiner Dankesrede an die Schriftsteller- und Übersetzerkolleginnen und -kollegen, die weltweit verfolgt werden, weil sie die Freiheit des Wortes verteidigen, und verband damit den Aufruf: „Wir müssen uns laut und deutlich für sie einsetzen.“ Er widmete den Preis seiner polnischen Übersetzerin Karolina Niedenthal und allen polnischen Übersetzerkollegen und -freunden.

Mit György Buda wurde ein weiterer, ebenfalls bereits reich mit Preisen bedachter österreichischer Übersetzer in Brisbane geehrt. Er erhielt die Karel-Čapek-Medaille, die für literarische Übersetzungen aus einer weniger verbreiteten Sprache verliehen wird. Seine Übersetzungen aus dem Ungarischen stellen ein in seiner Vielfalt und Intensität kaum zu überbietendes Textuniversum dar, dessen Herausforderungen er meisterhaft bewältigt. Die Flüche bei Imre Kertész etwa oder die ideenreiche und innovative Sprache von Peter Esterházy, die sich aus den verschiedensten historischen und aktuellen Bezügen zu Kunst, Literatur usw. speist, finden in ihm einen ebenso lustvoll mit der Sprache spielenden Übersetzer.

György Buda, der auch als Gerichtsdolmetscher und Fachübersetzer bzw. -dolmetscher tätig ist, zeigte sich sehr erfreut darüber, dass alle drei österreichischen Mitgliedsverbände in der FIT ihn gemeinsam für diese Auszeichnung vorgeschlagen hatten, und sagte in seiner Dankesrede: „Es erfüllt mich mit Stolz, dass meine Kollegen in allen Bereichen meiner übersetzerischen Tätigkeit der Meinung waren, dass meine Arbeit diese Auszeichnung verdient.“

Beide Auszeichnungen wurden in einem weltweiten Wettbewerb auf Vorschlag der nationalen Übersetzerverbände von unabhängigen Preisjurys vergeben und im Rahmen des alle drei Jahre stattfindenden Weltkongresses der FIT in Brisbane verliehen. Die nominierenden Verbände sind die IG Übersetzerinnen Übersetzer, UNIVERSITAS Austria und der Österreichische Verband der Gerichtsdolmetscher ÖVGD, die in der Translationsplattform zusammenarbeiten.

Martin Pollacks Dankesrede
https://youtu.be/oa1RgXB8Lig

György Budas Dankesrede
https://youtu.be/TzJspq_bbgU

1.2.2017

EULITA-KONFERENZ IN WIEN

Der Europäische Verband der Gerichtsdolmetscher (EULITA – European Legal Interpreters and Translators Association) hält seine diesjährige Konferenz in Wien ab. Für den 30. März ist am Vormittag ein Besuch des Justizzentrums geplant, in dessen Rahmen vor allem die ausländischen Gäste an Gerichtsverhandlungen teilnehmen können. Am Nachmittag findet im Haus der EU ein Workshop zu aktuellen Themen statt. Am Freitag berichten die Vortragenden über die verschiedenen Facetten des Gerichtsdolmetschens. Natürlich darf auch ein Heurigenbesuch (am Freitagabend) nicht fehlen. Schließlich hält der Verband am Samstag seine Generalversammlung ab, in deren Rahmen ein neuer Vorstand gewählt wird. Interessenten finden weitere Informationen auf der EULITA-Website: www.eulita.eu

22. 12. 2013

Die POLNISCHE GESELLSCHAFT VEREIDIGTER ÜBERSETZER UND FACHÜBERSETZER TEPIS

in Kooperation mit dem ÖSTERREICHISCHEN GERICHTSDOLMETSCHERVERBAND (ÖVGD)

unter der Schirmherrschaft der EUROPEAN LEGAL INTERPRETERS AND TRANSLATORS ASSOCIATION (EULITA) und DES AUSSCHUSSES FÜR RECHTSÜBERSETZEN UND GERICHTSDOLMETSCHEN DES INTERNATIONALEN ÜBERSETZERVERBANDES (FIT)

lädt ein zur internationalen Konferenz NEUE AUFGABEN FÜR JURISTISCHE ÜBERSETZER UND DOLMETSCHER IM ERWEITERTEN EUROPA im Hotel Europejski, Krakau, Polen, von 3.-5. April 2014 Konferenzsprachen: Englisch, Deutsch, Russisch und Polnisch

CALL FOR PAPERS Im Jahr 2004 traten zehn Länder, vorwiegend in Mittel- und Osteuropa, der EU bei. Sowohl der Acquis communautaire als auch die EU-Richtlinie 2010/64 über das Recht auf Dolmetschleistungen und Übersetzungen in Strafverfahren haben den rechtlichen und beruflichen Status von im juristischen Bereich tätigen Übersetzern und Dolmetschern tiefgreifend verändert. Anlässlich des zehnten Jahrestages der EU-Erweiterung bietet die Konferenz in Krakau den am Strafverfahren Beteiligten und den Ausbildern von juristischen Übersetzern und Dolmetschern eine Plattform, um über die größten Herausforderungen und Errungenschaften des letzten Jahrzehnts zu berichten. Weiterlesen auf: http://www.tepis.org.pl/pdf-doc/krakow-2014/ck-2014-de.pdf

The Polish Society of Sworn and Specialized Translators TEPIS, in cooperation with the Association of Austrian Court Interpreters (ÖVGD) and under the auspices of the European Legal Interpreters and Translators Association (EULITA), invites you to the International Conference 'New Tasks for Legal Interpreters and Translators in the Enlarged Europe' to be held in Kraków on 3-5 April 2014. Read on at http://www.tepis.org.pl/pdf-doc/krakow-2014/ck-2014-en.pdf

1.2.2013

Mit dem Export boomt auch die Übersetzungsbranche

Für deutsche Exporteure war 2012 ein gutes Jahr, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Im Windschatten des Außenhandels boomte auch die Übersetzungsbranche. Experten des US-Beratungsunternehmens Common Sense Advisory schätzen das weltweite Wachstum der Sprachdienstleistungsbranche im Jahr 2012 auf 12 Prozent und das Marktvolumen auf 33,5 Milliarden US-Dollar. Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) wollte wissen, wie sich diese Entwicklung in Deutschland bemerkbar macht und führte im Januar eine anonyme Online-Umfrage in den Reihen seiner über 7.000 Mitglieder durch. Gefragt wurde nach der Auftragslage 2012 und der Honorarentwicklung. Ergebnis: 45 Prozent der Befragten gaben an, dass das Auftragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, bei 23 Prozent blieb es gleich, 32 Prozent verzeichneten einen Auftragsrückgang. Das Honorar stagnierte bei 67 Prozent der Teilnehmer, 24 Prozent erzielten höhere Honorare. Insgesamt beteiligten sich 660 Dolmetscher und Übersetzer an der Kurzumfrage.

„Die steigende Nachfrage zeigt, dass gute Übersetzungen und Dolmetscherleistungen für den Export eine wichtige Rolle spielen“, so BDÜ-Präsident André Lindemann. „Dolmetscher und Übersetzer sind ein wichtiges Zahnrad im Getriebe der Exportwirtschaft.“ Das Umfrageergebnis zeige jedoch auch, dass nicht alle von der höheren Nachfrage profitieren – und das Honorar nicht automatisch wächst. „Übersetzer müssen immer schneller arbeiten und sich einem harten Preiskampf stellen.“ Weit mehr als die Hälfte der 38.000 Dolmetscher und Übersetzer in Deutschland arbeitet laut Mikrozensus 2011 freiberuflich.

Ein Grund für den Preiskampf ist der sogenannte „graue Markt“: Um Übersetzungskosten zu sparen, wählen viele Unternehmen den günstigsten Anbieter aus. Doch diese Strategie geht oft nicht auf. Immer wieder hört der Verband von Fällen, bei denen Übersetzungen – vielleicht schon in Broschüren gedruckt – von Vertriebsleuten in den Auslandsfilialen der Unternehmen als fehlerhaft beanstandet werden. Lindemann: „Übersetzer ist nicht gleich Übersetzer. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Theoretisch kann sich jeder so nennen.“ Schnell könnten schlechte Übersetzungen dann zu Erfolgsbremsen werden.

Der Verband rät Unternehmen, nur mit Profis zusammenzuarbeiten, die für den Beruf qualifiziert sind und Erfahrung in der gewünschten Branche mitbringen. Hilfe bei der Suche nach geprüften Dolmetschern und Übersetzern bietet die Online-Datenbank des BDÜ auf dieser Website: Hier können Auftraggeber kostenfrei die Kontaktdaten von über 7.000 Dolmetschern und Übersetzern für mehr als 80 Sprachen nach Fachgebieten recherchieren. Alle verzeichneten Sprachexperten sind Mitglied im BDÜ und mussten vor der Aufnahme in den Verband ihre Qualifikation für den Beruf nachweisen (Erläuterungen siehe Website).

Mehr auf http://www.bdue.de

Quelle: Pressemitteilung des BDÜ vom 31.1.2013

8.11.2012

UntertitlerInnen in Finnland gegen schlechtere Arbeitsbedingungen

Der finnische Privatsender MTV Media lagerte mit Anfang Oktober seine Untertitelungstätigkeit an die Firma BTI International aus. 98 der 110 betroffenen UntertitelungsexpertInnen nahmen ihr Recht nach dem finnischen Gesetz wahr und kündigten ihren Vertrag auf. Die Kolleginnen und Kollegen wollten nicht für eine Firma arbeiten, die ihre UntertitlerInnen bekannt schlecht entlohnt, sie in die Selbstständigkeit zwingt, das Urheberrecht an ihren Werken für sich in Anspruch nimmt und Kollektivvertragsverhandlungen verweigert.

Mehr dazu unter www.av-kaantajat.fi/in_english/?x245667=339003

13.07.2012

EMT logo becomes an EU trademark

The European Commission and the European Master’s in Translation network recently reached a long-awaited milestone in their common efforts to promote professional translation standards at European level when they successfully registered an EU trademark for the EMT scheme.

The EMT logo, originally designed by staff of the Commission Directorate-General for Translation (DGT), has been central to the project’s visual identity. Now, following a Commission decision and registration by the Office for the Harmonisation of the Internal Market (OHIM), the logo is a European mark and will be used to distinguish the EMT-level professional translator training at Master’s level even better. The EMT network now has exclusive rights to use the logo, which is subject to intellectual property rules.

The logo appears on the graduation certificates issued to students when they successfully complete their Master’s studies in translation and also on the certificates of membership of the EMT network. This trademark registration is not only an important legal step but also a symbolic achievement towards wider recognition of the translation profession.

Since 2009 the European Master’s in Translation scheme has come to be a well-known benchmark in translator education and in the language industry. The network now spans 54 programmes focusing on professional training for translators throughout the European Union and in neighbouring countries.

The next exercise to select new members is scheduled in 2014. Membership of the network is obtained by passing an academic assessment of training standards. Only members of the network are allowed to use the trademark logo as proof of their compliance with the EMT standards of quality in professional translator training.

In the past, translation programmes that were not members of the network were misrepresented as participating in the scheme by claiming EMT standards without undergoing an assessment. This trademark registration will provide stronger protection for the network’s efforts to achieve excellence.

more information:
Directorate-General for Translation
Communication and Information Unit

DGT-Communication@ec.europa.eu
ec.europa.eu/dgs/translation
facebook.com/translatingforeurope

10.05.2012

Translationsplattform führt Gespräche mit Ausbildungszentren an den Unis Wien, Graz und Innsbruck

Vertreterinnen der Translationsplattform trafen sich am 10. Mai mit VertreterInnen des ZTW (Wien), ITAT (Graz) und INTRAWI (Innsbruck) zu einem Meinungsaustausch über Curricula. Diese sollen so gestaltet sein, dass zukünftige ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen auf die Erfordernisse eines im Wandel begriffenen Marktes bestmöglich vorbereitet werden. Die Gespräche verliefen sehr konstruktiv und sollen fortgeführt werden, um den Austausch zwischen Praxis und Lehre zu intensivieren.

Translationsplattform und Uniinstitute Wien, Graz und Innsbruck
Foto: © 2012 by Barbara Gerstbach

Jänner 2012

Von falschen Freunden und übersetzerischen Fettnäpfchen:
Anmerkungen über Merkwürdigkeiten und Peinlichkeiten in der Übersetzung der Steve-Jobs-Biografie

Quelle: Wiener Zeitung, 24.1.2012
http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_digital/testlabor/429774_Merkwuerdiges-und-Peinliches-in-der-Uebersetzung-der-Steve-Jobs-Biografie.html

Aus einem Interview mit Maja Haderlap, der Bachmann-Preisträgerin 2011, über ihren ausgezeichneten Roman "Engel des Vergessens"

"Ich freue mich darauf, den Roman bald in der slowenischen Übersetzung -- nicht von mir! -- zu lesen. Ich könnte den Roman nämlich nicht in das Slowenische übersetzen, weil ich als Übersetzerin nicht funktioniere. Ich wechsle die Sprache, ich übersetze nicht."

Quelle: Salzburger Nachrichten, Ausgabe 21.1.2012
http://search.salzburg.com/articles/22594833?highlight=Engel+des+Vergessens+

August 2011

Zu lange übersetzt?

Dass Dominique Strauß-Kahn sechs Wochen auf die entlastende Übersetzung eines Telefongesprächs, das schließlich zu seiner Freilassung aus dem strengen Hausarrest führte, warten musste, verwunderte Anfang Juli die Beobachter auf der ganzen Welt. Es handelte sich um ein Telefonat des mutmaßlichen Opfers der versuchten Vergewaltigung und Kronzeugin in dem aufsehenerregenden Fall, in dem sie sich offenbar mit ihrem Freund über die mögliche finanzielle Verwertbarkeit der Begegnung mit dem ehemaligen IWF-Boss unterhielt. Die in dem inkriminierenden Telefonat verwendete Sprache: Fulani. Da finden Sie einmal jemand, der das schnell übersetzen kann!

Ein Telefonat gab den Ausschlag – Zeit online vom 2.7.2011
(http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-07/strauss-kahn-telefonat)

Community Interpreting Austria

Seit kurzem gibt es eine von UNIVERSITAS Austria initiierte Facebook-Gruppe, die sich mit dem Thema Community Interpreting auseinandersetzt und eine Vernetzung der betroffenen Berufsgruppen anstrebt. Community Interpreting (CI, "Kommunaldolmetschen") soll Menschen, deren Muttersprache von jener ihres Gast- oder Aufenthaltslandes abweicht, den Zugang zu öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen ermöglichen. CI kann aber nur funktionieren, wenn entsprechend qualifizierte KommunaldolmetscherInnen eingesetzt werden. Mehr dazu unter: www.facebook.com/Community.Interpreting.Austria <http://www.facebook.com/Community.Interpreting.Austria>

Mehr über eine gerade anlaufende Ausbildung zum Kommunaldolmetscher/zur Kommunaldolmetscherin an der Universität Graz unter: http://www.uniforlife.at/index.php?lang=de&page=content/ulehr-kdolmetschen-de.html <http://www.uniforlife.at/index.php?lang=de&page=content/ulehr-kdolmetschen-de.html>

 

Mai 2011

Ganz dumm gelaufen!

Dass es einen mitunter teuer zu stehen kommt, wenn bei Verträgen auf eine ordnungsgemäße Übersetzung verzichtet wird, merkte kürzlich der Franzose Nicolas Granatino am eigenen Leib: Er heiratete eine deutsche Millionärin, unterzeichnete einen Ehevertrag bei einem deutschen Notar, ohne auf eine schriftliche Übersetzung der Vereinbarung zu bestehen, und merkte erst bei der Scheidung, dass er damit auf umfangreiche finanzielle Ansprüche verzichtet hatte. Sein Vorbringen vor den englischen Gerichten (das Ehepaar lebte in London), den Inhalt des Vertrages nicht verstanden zu haben, wurde vom englischen Supreme Court abgelehnt. Begründung: Der Notar hatte bei der Beurkundung eigentlich vertagen wollen, da keine Übersetzung des Vertrages für den Ehemann vorgelegen war, Granatino hatte sich aber mit der mündlichen Übersetzung durch den Notar begnügt. Außerdem, so der Supreme Court, habe Granatino vier Monate bis zur Eheschließung Zeit gehabt, sich doch noch über die Inhalte des abgeschlossenen Ehevertrages eingehend zu informieren. Ärgerlich für den Geschiedenen, der Arme muss sich nun mit einem jährlichen Unterhalt von umgerechnet ca. EUR 85.000 zufriedengeben.

Wer nicht übersetzt, bleibt dumm - Legal Tribune ONLINE vom 5.4.2011
(http://www.lto.de/de/html/nachrichten/2944/teure_millionaersscheidung_wer_nicht_uebersetzt_bleibt_dumm/)

Bald besser bezahlt?

Das Thema der finanziellen Beteiligung von literarischen Übersetzungen wurde Anfang April in den Salzburger Nachrichten wieder aufgegriffen. In Deutschland gab es dazu bereits 2009 ein einschlägiges Gerichtsurteil: Nach siebenjährigem Rechtsstreit war dem Übersetzer eines Sachbuchs in letzter Instanz vom deutschen Bundesgerichtshof (BGH) zuerkannt worden, dass das ursprünglich vertraglich vereinbarte Honorar von EUR 19 pro Seite „nicht angemessen“ war. Daher wurde dem Übersetzer eine weitergehende Vergütung zugesprochen. Ab einer Auflagenhöhe von 5.000 Exemplaren steht dem/der ÜbersetzerIn eines belletristischen Werkes oder eines Sachbuchs seither eine Beteiligung von 0,8 % (bei Hardcover-Ausgaben) und 0,4 % (bei Taschenbüchern) des Nettoladenverkaufspreises zu. In der jüngsten Festsetzung des BGH wurde nun die Beteiligung der ÜbersetzerInnen an den Nettoerlösen von Nebenrechten, wie beispielsweise Verfilmung oder elektronische Publikation, neu festgelegt: Ein Fünftel des Anteils, der dem Originalautor zusteht, soll in Deutschland künftig an den/die ÜbersetzerIn gehen. Ob und wann sich eine ähnliche Regelung auch in Österreich durchsetzen wird, ist derzeit noch nicht absehbar – der Verfasser des Artikels in den Salzburger Nachrichten, ein österreichischer Jurist, Schriftsteller und Übersetzer, ist jedenfalls zuversichtlich und vertraut vor allem auch auf eine gesamteuropäische oder internationale Lösung.

Vergütung für Übersetzer - Salzburger Nachrichten ONLINE, 5.4.2011
(http://search.salzburg.com/articles/17794860?highlight=verg%C3%BCtung+f%C3%BCr+%C3%BCbersetzer+)

Verhütung vollumfänglich erlaubt?

Wie es zu einem bedeutungsschwangeren Fehler bei der Übersetzung des neuen Jugendkatechismus kam, war in der Tageszeitung „Die Presse“ Mitte April nachzulesen. Das Werk mit der Bezeichnung „Youcat“, das die Lehre der katholischen Kirche jugendgerecht erklären soll, wird geplantermaßen 2011 in insgesamt 25 Sprachen veröffentlicht werden. Leider ist es bei der Übersetzung zu teilweise sinnstörenden Missinterpretationen gekommen: In der italienischen Ausgabe etwa wurde auf Grund eines Übersetzungsfehlers Empfängnisverhütung für zulässig erklärt, was dem moralischen Dafürhalten des katholischen Bodenpersonals wohl kaum entsprechen dürfte. Tausende Exemplare des italienischen Youcat, der bereits in den Buchhandlungen zum Verkauf angeboten wird, müssen nun vernichtet oder mit Korrekturblättern versehen werden. Aber auch die Übersetzungen in andere Sprachen weisen teilweise gravierende Mängel auf. Kardinal Schönborn, unter dessen Leitung die deutsche Originalfassung entstanden war, will nun eine Taskforce für die notwendige Revision in allen Sprachen einsetzen. Auf die Geburtenzahlen in Italien werden ob der vermeintlich erlaubten Verhütung vorerst keine drastischen Auswirkungen erwartet.

Übersetzungsfehler: Kirche erlaubt Verhütung - Die Presse ONLINE, 14.4.2011
(http://diepresse.com/home/panorama/religion/650458/Uebersetzungsfehler_Kirche-erlaubt-Verhuetung?_vl_backlink=/home/panorama/religion/index.do )

 

Jänner 2011

Theaterstück „die unvermeidlichen“

Die österreichische Schriftstellerin Kathrin Röggla hat soeben ein Stück über Simultandolmetscher „die unvermeidlichen“ herausgebracht. Im Februarheft der Fachzeitschrift „Theater der Zeit“ ist das Stück abgedruckt. In einem begleitenden Interview erklärt Röggla, wie sie es verstanden haben möchte: „Das Stück ist eine Komödie“, sagt sie, „aber eine unheimliche.“ Uraufführung am 6. Februar, weitere Aufführungen 19. Februar sowie 1., 11. und 20. März im Nationaltheater Mannheim, Studiobühne, zudem Gastspiel bei den Frankfurter Positionen am 9. Februar.

 

8. November 2010

Gesetzesentwurf - Änderungen für Gerichtsdolmetscher und Protestschreiben

Protestbrief
Synopse Gesetzesentwurf

 

Oktober 2010

90 Jahre Österreichischer Verband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Dolmetscher

Mit einem Festakt in den Festsälen des Bundesministeriums für Justiz beging der ÖVGD am 1. Oktober 2010 sein 90-jähriges Jubiläum. Nach der Eröffnung der Jubiläumsfeier durch Dipl.-Dolm. Christine Springer, der Präsidentin des Verbandes, folgten Grußworte des Österreichischen Berufsverbandes für Dolmetschen und Übersetzen "UNIVERSITAS Austria", sowie des Internationalen Übersetzerverbandes F.I.T. und des Europäischen Verbandes der Übersetzer und Dolmetscher für das Justizwesen EULITA. Der Präsident des Hauptverbandes der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs trat als nächster Redner an das Pult. Die Begrüßungsworte der Bundesministerin für Justiz an die Festversammlung wurden von Frau Sektionschef Dr. Constanze Kren übermittelt. Schließlich beschrieb Mag. Friedrich Forsthuber, der Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien, in seinem Festvortrag "90 Jahre ÖVGD - Eine Erfolgsgeschichte" die Meilensteine in der Geschichte des Verbandes. Er hob insbesondere die zunehmende Professionalisierung des Gerichtsdolmetscherberufs in den letzten 30 Jahren hervor, welche in hohem Maße das Verdienst der Präsidentin des Verbandes ist. - Der Festakt, an dem auch Vertreter österreichischen Gerichtshöfe und befreundeter Verbände im Ausland teilnahmen, endete mit einem Buffet-Empfang. Das gemütliche Beisammensein bot Mitgliedern und Verbandsgästen ausreichend Gelegenheit, Erinnerungen auszutauschen und Kontakte zu erneuern.
Dipl. Dolm. Liese Katschinka, Vizepräsidentin

 

Newsroom der Generaldirektion Justiz, Oktober 2010

Recht auf faires Verfahren: Justizminister der EU schreiben Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung in Strafverfahren fest

Die Justizminister der EU-Staaten haben einen Richtlinienvorschlag angenommen, der das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren gewährleistet. Die Europäische Kommission und das Europäische Parlament hatten der Regelung bereits im Juni zugestimmt. Dies ist die erste EU-Maßnahme überhaupt, mit der gemeinsame Mindestnormen für Verteidigungsrechte in Strafverfahren festgelegt werden. Sie garantiert den Betroffenen das Recht auf Hinzuziehung eines Dolmetschers in Strafverfahren vor allen Gerichten der EU und auf Rechtsberatung in ihrer Sprache. Eine solche Maßnahme, die EU-weit faire Verfahren für jedermann sicherstellt, ist längst überfällig. Ihr werden weitere Maßnahmen zur Festlegung gemeinsamer EU-Normen für Strafverfahren folgen. Die EU-Mitgliedstaaten haben nun drei Jahre Zeit, um die EU-Regelung in innerstaatliches Recht umzusetzen.

Das Europäische Parlament stimmte im Juni mit großer Mehrheit dem ausgehandelten Entwurf zu (IP/10/746). Voraussetzung dafür war ein Kompromiss, auf den sich Rat, Kommission und Parlament am 27. Mai verständigt hatten. Das Parlament bestätigte diesen Kompromiss am 15. Juni. Die Richtlinie garantiert den Bürgern das Recht auf Verwendung ihrer eigenen Sprache in Verhandlungen und Vernehmungen in allen Abschnitten eines Strafverfahrens vor einem Gericht der EU. Darüber hinaus haben sie Anspruch auf Information und Rechtsberatung in ihrer eigenen Sprache. Die Kommission bestand auf das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren, weil es entscheidend dazu beiträgt, die uneingeschränkte Einhaltung der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Rechtsprechung des Straßburger Gerichtshofs sowie der Charta der Grundrechte zu garantieren. Die Richtlinie garantiert zudem, dass die Bürger eine schriftliche Übersetzung aller maßgeblichen Unterlagen wie der Anklageschrift erhalten und bei allen Anhörungen und Vernehmungen sowie bei Treffen mit ihren Rechtsanwälten Anspruch auf Beiziehung eines Dolmetschers haben. Auf diese Rechte kann nur verzichtet werden, wenn der Betreffende zuvor eine Rechtsberatung erhalten hat oder umfassend über die Konsequenzen eines solchen Verzichts informiert worden ist. Die Kosten der Übersetzung und Verdolmetschung trägt nicht die betroffene Person, sondern der Mitgliedstaat. Ohne gemeinsame Mindestnormen, die ein gerechtes Verfahren garantieren, werden Justizbehörden eine Person nur ungern an ein Gericht in einem anderen Land überstellen. Das kann zur Folge haben, dass EU-Vorschriften zur Verbrechensbekämpfung - wie der Europäische Haftbefehl - nicht in vollem Umfang angewandt werden. 2007 wurde in 11 000 Fällen ein Europäischer Haftbefehl ausgestellt, 2005 nur in 6 900 Fällen. Nach Ansicht der Kommission sollten die EU-Bestimmungen über die Verfahrensrechte, darunter das Recht auf Verdolmetschung und Übersetzung, bei diesen Haftbefehlen in Zukunft grundsätzlich Anwendung finden. Statt der üblichen zwei Jahre haben die EU-Mitgliedstaaten nun drei Jahre Zeit, diese Vorschriften umzusetzen, damit die erforderlichen Übersetzungen angefertigt werden können.

Hintergrund

Seit 8. Oktober ist die Richtlinie über das Recht auf Dolmetschleistungen und Übersetzungen in Strafverfahren in Kraft. Die deutsche Fassung steht Interessierten im Anhang zur Verfügung.

Im November 1950 - also vor 60 Jahren - wurde die MRK angenommen. Seither wurden die Bestimmungen über den Zugang zu Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in der Rechtssprechung des Gerichtshofs weiterentwickelt und nunmehr in der EU-Richtlinie festgeschrieben.

 

25. Juni 2010

EU-Richtlinie für das Recht auf Dolmetsch- und Übersetzungsleistungen in Strafverfahren vom europäischen Parlament verabschiedet

Presseaussendung EULITA

 

Juni 2010

ÜbersetzerInnen haben Namen - und ein Recht auf Namensnennung

Übersetzungen sind je nach Textsorte und Nutzungszweck zwischen Dienstleistung und künstlerischer Tätigkeit angesiedelt. Aber unabhängig davon, ob es sich um „schöngeistige“ Literatur handelt oder um Texte, bei denen die Kommunikation im Vordergrund steht, genießen Übersetzungen als Bearbeitungen eines Originals Urheberrechtsschutz. Der Gesetzgeber geht nämlich davon aus, dass es sich dabei in aller Regel um eigentümliche geistige Schöpfungen handelt, die durch die individuelle Leistung des Übersetzers oder der Übersetzerin zustande kommen. Zu Recht, denn Interpretationskunst und sprachliches Gestaltungsvermögen sind dabei schon aufgrund der idiomatischen Verschiedenheit der Sprachen unerlässlich.

Da es bei der Übersetzung wie bei jedem anderen schöpferischen Werk so sehr auf die/den Einzelnen ankommt, sieht das Urheberrecht bestimmte Persönlichkeitsrechte vor. Dazu gehört auch das Recht, im Zusammenhang mit dem eigenen Werk namentlich genannt zu werden (§ 20 UrhG). In den meisten Fällen ist das heute eine Selbstverständlichkeit. Noch vor wenigen Jahren musste dieses Recht allerdings immer wieder mit Nachdruck eingefordert werden. Die Wende zum Besseren brachte ein Fall, der bis zum Obersten Gerichtshof ging: Ein Übersetzer klagte den ORF, weil dieser es verabsäumt hatte, seinen Namen in einer Radiosendung zu erwähnen, die zu einem guten Teil mit Zitaten aus von ihm übersetzten Werken bestritten wurde. Der OGH gab ihm Recht und verwies auf die werbende Wirkung der Namensnennung, die es zu schützen gelte (OGH am 29. Jänner 2002, Geschäftszahl 4Ob293/01v).

 

Februar 2010

Bücher googlen

Das umstrittene „Google Book Settlement“, das ganze Bibliotheken von Büchern online zugänglich machen sollte und insbesondere in Europa von vielen als Enteignung der UrheberInnen bezeichnet wurde, hat nach massiven Protesten vor allem aus Europa nun eine deutliche Änderung erfahren. So soll das Abkommen nur für Bücher gelten, die urheberrechtlich in den USA, Kanada, Großbritannien oder Australien registriert sind. Viele deutschsprachige AutorInnen und Verlage sind damit aus der Buchsuche ausgenommen. Betroffen sind aber nach wie vor viele vor 1978 erschienene deutschsprachige Bücher, die im US-Copyrightregister eingetragen sind. Verwaiste Bücher, d.h. Bücher, die vergriffen und deren Urheber nicht auffindbar sind, die aber noch urheberrechtlich geschützt sind, dürfen in digitaler Form verkauft werden. Die Einnahmen werden aber für zehn Jahre eingefroren. In dieser Zeit können Urheberrechtsinhaber ihre Ansprüche geltend machen. Danach werden nicht beanspruchte Gelder an Stiftungen ausgeschüttet bzw. für die Urhebersuche verwendet.

Bei der bislang strittigen Beurteilung der Frage, ob ein Buch lieferbar („commercially available“) ist, werden jetzt auch die Angaben im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) und Bezugsmöglichkeiten bei deutschen Händlern berücksichtigt. Damit ist ein großer Teil der deutschsprachigen Autoren und Verlage nicht mehr oder deutlich weniger stark von dem Settlement betroffen.

Der neue Vorschlag beinhaltet auch eine Vertretung nicht-amerikanischer Rechteinhaber in den Leitungsgremien des geplanten Buchrechteregisters („Book Rights Registry“).

Google hat aufgrund von Vereinbarungen mit großen Bibliotheken bis dato etwa sechs Millionen vergriffene Bücher eingescannt, die über die Google Buchsuche in Ausschnitten (allerdings oft sehr großen) abrufbar sind. Das Abkommen wird Google verschiedene Geschäftsmodelle ermöglichen, wie das Herunterladen von digitalen Ausgaben der gescannten Bücher oder Print-on-Demand-Ausgaben. 63% der Einnahmen sollen an die Rechteinhaber, d.h. AutorInnen und Verlage gehen. Eine verstärkte Monopolisierung des Buchmarktes im Internet wird als Konsequenz dieses Abkommens befürchtet.

Die abschließende Anhörung findet am 18. Februar statt.

Weitergehende Informationen finden sich auf der Seite der Authors' Guild, die eine der Vertragsparteien auf Autorinnenseite ist (und daher die positiven Aspekte des Abkommens vielleicht allzu sehr in den Vordergrund stellt):

 

Februar 2010

Entwurf einer Richtlinie des Europäischen Parlamentes und des Rates über das Recht auf Übersetzung und Dolmetschung im Strafverfahren

Im Herbst 2009 wäre der Rahmenbeschluss zum Recht auf Dolmetschen und Übersetzen im Strafverfahren nach langen Jahren der Verhandlungen in diversen EU-Gremien beinahe zustande gekommen, aber mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am 1. Dezember war ein neues Legislativvorhaben erforderlich. Österreich hat nun mit einigen anderen EU-Staaten (insgesamt einem Viertel der EU-Mitgliedstaaten) als Co-Initiator eine Gesetzgebungsinitiative für eine diesbezügliche Richtlinie im Europa-Parlament eingebracht.

Der Text entspricht im Wesentlichen dem des Rahmenbeschlusses, sollte aber in einigen Punkten noch nachgebessert werden. Zum Beispiel:

1.) Gemeinsam mit dem Rahmenbeschluss zum Recht auf Dolmetschung und Übersetzung wurde auch ein „Proposal for a Resolution of the Council and the Governments of the Member States meeting within the Council fostering the implementation by Member States of the right to interpretation and to translation in criminal proceedings“ verabschiedet, der auf dem Schlussbericht des „Reflection Forum on Multilingualism and Interpreter Training“ beruht und Empfehlungen zur Umsetzung des Rahmenbeschlusses enthält. Ein derartiges Dokument wäre im Zusammenhang mit dem nunmehrigen Richtlinienentwurf ebenfalls zu begrüßen, da es in vielen Mitgliedstaaten den Beteiligten ein Hilfsmittel zur Umsetzung der Richtlinie geben würde (Artikel 5 des Richtlinienentwurfs), das gleichzeitig auch zu einer allmählichen Vergleichbarkeit des Gerichtsdolmetscherwesens führen würde.

2.) Punkt 11) der Einleitung zum Richtlinienentwurf sieht vor, dass in den Kontakten zwischen dem Rechtsbeistand und einer verdächtigten Person oder einem Beschuldigtem vom Einsatz eines Gerichtsdolmetschers Abstand genommen werden könnte. Wie die Praxis zeigt, entstehen gerade bei solchen Kontakten auf Grund der unzulänglichen sprachlichen Kommunikation häufig Missverständnisse, so dass vom Einsatz eines Dolmetschers – auch zur Entlastung des jeweiligen Rechtsbeistandes, dessen Hauptaugenmerk auf die juristischen Belange gerichtet sein sollte – nicht abgesehen werden sollte.

3.) Absatz 6. von Artikel 3 des Richtlinienentwurfs sieht vor, dass die schriftliche Übersetzung durch eine mündliche Übersetzung ersetzt werden kann. Angesichts des oft hohen Schwierigkeitsgrades von bei Verfahren zu übersetzenden Texten, sowie der gelegentlich sehr angespannten Atmosphäre im Gerichtssaal können bei einer mündlichen Übersetzung Ungenauigkeiten auftreten, die für den Beschuldigten von Nachteil sein können. Eine solche Möglichkeit sollte daher nicht vorgesehen werden.

Sowohl der Österreichische Verband der Gerichtsdolmetscher als auch EULITA, der neu gegründete Europäische Verband der Juristischen Dolmetscher und Übersetzer, sind um diese Ergänzungen bemüht und hoffen mit den Co-Initiatoren, dass die Richtlinie – wie geplant – noch während der spanischen EU-Präsidentschaft verabschiedet werden kann.

 

Studie über die Größe der Sprachenindustrie in der EU (DGT-ML-STUDIES-08)

Lesen Sie eine Zusammenfassung der Studie der Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission über die europäische Sprachenindustrie:

Executive Summary - deutsche Zusammenfassung

 

Antwerpen, Jänner 2010

EULITA, der europäische Verband der juristischen Übersetzer und Dolmetscher, wurde am 26. November 2009 in Antwerpen gegründet. Dieser internationale, nicht auf Gewinn ausgerichtete Verband (aisbl) wurde im Rahmen des Criminal Justice- Programms der Generaldirektion Freiheit, Sicherheit und Recht der Europäischen Kommission (Projektzahl: JLS/2007/KPEN/249) errichtet. Anlässlich des offiziellen Gründungsaktes von EULITA im Antwerpener Gericht 1. Instanz fand eine zweitägige Konferenz zu „Aspekten des juristischen Dolmetschens und Übersetzens“ statt, an der an die 300 Personen aus mehr als 30 Ländern teilnahmen.

Das Ziel von EULITA ist es, als Vollmitglieder die Berufsverbände der juristischen Übersetzer und Dolmetscher, bzw. der juristischen Gebärdensprachendolmetscher in den EU-Mitgliedsstaaten zu vereinen, sowie Übersetzer- und Dolmetscherverbände, die auch juristische Übersetzer und Dolmetscher, sowie juristische Gebärdensprachendolmetscher zu ihren Mitgliedern zählen. Ebenso möchte EULITA alle interessierten Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen, die sich für die Verbesserung der Qualität des juristischen Dolmetschens und Übersetzens einsetzen, einladen, als assoziierte Mitglieder dem Verband beizutreten.

Ein weiteres Ziel von EULITA ist es, die beruflichen Interessen und Anliegen der juristischen Dolmetscher und Übersetzer vor den europäischen und internationalen Organisationen zu vertreten und die Verbände der juristischen Übersetzer und Dolmetscher, sowie der juristischen Gebärdensprachendolmetscher bei nationalen Behörden und Institutionen zu unterstützen. EULITA möchte weiters die Gründung von Verbänden für juristische Übersetzer und Dolmetscher in jenen EUMitgliedsstaaten fördern, in denen es solche noch nicht gibt, sowie eng mit akademischen, auf dem Gebiet der Ausbildung und Forschung tätigen Institutionen zusammenarbeiten und die Schaffung nationaler und EU-weiter Register von qualifizierten juristischen Dolmetschern und Übersetzern unterstützen, dabei aber stets die Vielfalt der Rechtssysteme und Rechtskulturen respektieren.

EULITA wird sich weiters dafür einsetzen, dass durch die Anerkennung des Berufsstandes von juristischen Übersetzern und Dolmetschern, den Austausch von Informationen und Modellen für eine gute Praxis bei der Ausbildung und der ständigen beruflichen Weiterbildung, sowie die Abhaltung von Veranstaltungen zu Themen der Ausbildung, Forschung, Professionalität, usw. die Qualität des juristischen Dolmetschens und Übersetzens angehoben wird. Dadurch soll die Zusammenarbeit im Rahmen der Rechtspflege und das Vertrauen der Mitgliedsstaaten in das juristische Übersetzer- und Dolmetscherwesen anderer Staaten gefördert werden.

Schließlich ist es das Ziel von EULITA, die Zusammenarbeit mit den Behörden der Rechtspflege sowie mit den anderen Rechtsberufen zu fördern und ein Modell für eine gute Praxis der gemeinsamen Arbeit und den dafür erforderlichen Bedingungen zu erstellen.

Sobald der Entwurf für einen Rahmenbeschluss zum Recht auf Dolmetschen und Übersetzen im Strafverfahren als Richtlinie verabschiedet worden ist, gemeinsam mit der Entschließung des Rates zur Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Verwirklichung des Rechts auf Dolmetschleistungen und Übersetzungen im Strafverfahren („Best Practice“-Entschließung), wird sich EULITA tatkräftig einbringen, um den Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der Richtlinie und ihrem Funktionieren in der Praxis behilflich zu sein.

Dem ersten Exekutivkomitee von EULITA gehören Liese Katschinka (Österreich) als Präsidentin, Christiane Driesen (Deutschland) und Zofia Rybinska (Polen) als Vizepräsidentinnen, Gun-Viol Vik-Tuovinen (Finnland) als Sekretärin, Lucia Castaño- Castaño (Spanien) als Schatzmeister sowie Flavia Caciagli (Italien) und Maya de Wit (Niederlande) als Mitglieder an. Die erste Vollversammlung von EULITA findet in einem Jahr statt.

Liese Katschinka
EULITA-Präsidentin
www.eulita.eu

 
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